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Ein Blog der ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften
Gute Lehrmaterialien zu erstellen, braucht Zeit. Noch mehr Zeit kann es kosten, sie so aufzubereiten, dass andere sie ebenfalls nutzen, anpassen und weiterverwenden können. Und manchmal beginnt die Arbeit schon vorher: Wo finde ich ein passendes Material, das ich verwenden darf und auf dem ich aufbauen kann?
Ab hier kommen Open Educational Resources (OER) ins Spiel. Sie machen Lehrmaterialien unter offenen Lizenzen zugänglich und ermöglichen damit, dass andere auf bereits Erarbeitetem aufbauen können. Doch obwohl es global und an Schweizer Hochschulen immer mehr OER gibt, ist der Weg vom "Ich habe da etwas erstellt" zum "Andere können das ebenfalls nutzen" noch nicht immer einfach.
Hier setzt das Projekt fAIr - fostering AI & recognition in Open Education an
Das von der ZHAW Hochschulbibliothek geleitete Projekt fAIr - fostering AI & recognition in Open Education beschäftigt sich mit zwei Fragen:
* Wie kann künstliche Intelligenz dabei helfen, OER einfacher zu finden, weiterzuentwickeln und zu erstellen?
* Und wie können wir sichtbar machen, welchen Wert und welche Nutzung offene Lehrmaterialien tatsächlich haben?
Dabei geht es nicht darum, OER einfach mit möglichst viel Technik anzureichern. Vielmehr soll untersucht werden, wie digitale Werkzeuge und neue Formen der Sichtbarkeit dazu beitragen können, dass sich eine Kultur des Teilens und der offenen Praxis - im Sinne von Open Science - in der Hochschullehre weiterentwickelt
Wenn Sie ein eigenes Lehrmaterial als OER erstellen möchten, sollten Sie vieles gleichzeitig im Blick behalten: Inhalte aufbereiten, geeignete Materialien finden, Lizenzen prüfen, Quellen korrekt angeben, Barrierefreiheit berücksichtigen und das Material am Ende passende veröffentlichen.
Könnte KI dabei unterstützen?
Im ersten Teil von fAIr wird deshalb ein KI-gestützter OER Creator Assistant entwickelt. Er soll Lehrende insbesondere dabei unterstützen, bestehende offene Materialien zu finden und für die eigene Lehre weiterzuentwickeln.
Dabei soll die KI nicht einfach das nächste Lehrskript generieren. Im Zentrum steht vielmehr die Nachnutzung und Weiterentwicklung bereits vorhandener offener Ressourcen - nicht nur ihrer Inhalte, sondern auch ihrer didaktischen Ideen, Designs und Darstellungsformen. So können Lehrende auf den Arbeiten anderer aufbauen und sie für den eigenen Kontext weiterentwickeln.
Der Assistant wird dabei mit Switch OER, dem nationalen Repositorium für offene Bildungsressourcen, verbunden.
Die zweite Frage klingt zunächst einfacher: Woran erkennen wir, ob ein OER erfolgreich ist?
Bei wissenschaftlichen Publikationen gibt es dafür etablierte Kennzahlen. Bei OER ist das schwieriger. Ein Material kann beispielsweise mehrfach heruntergeladen, im Unterricht eingesetzt, verändert und anschliessend wieder veröffentlicht werden. All diese Aktivitäten erzählen Ihnen etwas über seine Nutzung - aber nicht unbedingt dasselbe.
Im zweiten Teil von fAIr beschäftigen wir uns deshalb mit Indikatoren und Metriken für OER.
* Welche Informationen sind für Lehrende interessant, wenn sie ein Material auswählen?
* Was sagt etwas über dessen Nutzung oder Weiterentwicklung aus?
* Und welche Kennzahlen könnten dazu beitragen, die Bedeutung von Open Education an Hochschulen sichtbarer zu machen?
Dabei wollen wir nicht einfach möglichst viele neue Zahlen produzieren. Gemeinsam mit der OER-Community untersuchen wir, welche Indikatoren tatsächlich sinnvoll und aussagekräftig sind.
fAIr baut deshalb auf die Zusammenarbeit mit Dozierenden, OER-Fachpersonen und weiteren Beteiligten aus verschiedenen Schweizer Hochschulen. In Interviews, Workshops und im Austausch mit der Community werden Bedürfnisse, Ideen und erste Ansätze diskutiert und weiterentwickelt.
In den kommenden Beiträgen schauen wir deshalb genauer hin:
* Wie funktioniert der OER Creator Assistant?
* Was kann KI beim Erstellen und Weiterentwickeln offener Lehrmaterialien tatsächlich leisten?
* Und welche Indikatoren könnten künftig zeigen, was mit OER passiert?
Das Projekt fAIr will damit einen kleinen, aber wichtigen Schritt machen: weg vom "Teilen wäre eigentlich eine gute Idee" - hin zu einer Hochschullehre, in der Teilen, Weiterverwenden und Weiterentwickeln selbstverständlich werden.
Ein Beitrag von Esther Bättig, Dr. Enrique Corredera Nilsson und Roger Flühler
Titelbild: ai-künstliche-intelligenz von geralt unter pixabay-lizenz